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Wie Wasser- und Abwassergebühren entstehen – und warum aktuell in der Gemeinde Oberstenfeld höhere Gebühren zu bezahlen sind

Wasser kommt in Deutschland sauber und trinkbar aus dem Hahn. Dies scheint für viele Menschen selbstverständlich. Ebenso, dass es, wenn wir es in den Wasserkreislauf zurückgeben, sauber und unbelastet in unsere Flüsse, Seen und Meere eingeleitet wird, bevor es wieder als Trinkwasser aus unseren Hähnen entnommen werden kann. Doch damit das Wasser diesen Kreislauf durchlaufen kann, muss die entsprechende Infrastruktur errichtet, betrieben und erhalten werden. Der Bogen von den antiken Aquädukten im römischen Reich und den damals verbauten Bleirohren über die ersten Gussleitungen, die in Deutschland erstmals im Jahr 1412 in Augsburg eingesetzt wurden bis zu hochmodernen Ultrafiltrationsanlagen sowie umfangreiche Mess-, Steuer- und Klärtechnik verdeutlicht die Vielfalt der Anlagen, die zur Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung und -reinigung zum Einsatz kommen. Als Aufgabe der Daseinsvorsorge obliegt die öffentliche Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung den Gemeinden. Dabei kann die Wasserversorgung entweder durch die jeweilige Gemeinde selbst betrieben werden oder durch ein privates Unternehmen. Die Gemeinde Oberstenfeld hat sich dazu entschieden, die Aufgabe der Wasserversorgung selbst und über ihren Eigenbetrieb Wasserversorgung zu erfüllen.

Um die Aufgaben der Trinkwasserversorgung und der Abwasserentsorgung wahrnehmen zu können, erhebt die Gemeinde Oberstenfeld entsprechend Wasser- und Abwassergebühren. Dies sieht die Gemeindeordnung Baden-Württemberg so vor. Dabei werden die Gebühren nicht willkürlich festgesetzt, sondern nach den gesetzlichen Vorschriften des Kommunalabgabengesetzes kalkuliert. Dies sieht vor, dass bei Versorgungseinrichtungen, wie der Wasserversorgung, in jedem Fall die tatsächlich anfallenden Kosten durch die Gebühren gedeckt sein sollen.

Die aktuelle Kalkulation der Gebühren ergab zum 1. Januar 2018 eine Erhöhung für die Wasserversorgung und die Niederschlags- bzw. Schmutzwasserbeseitigung. Dabei stiegen die Verbrauchsgebühren für die Wasserversorgung von 2,23 € auf 2,37 € je m³ und die Grundgebühr bei einem regulären Hauswasserzähler von 1,29 € je Zähler und Monat auf 3,90 € je Zähler und Monat. Die Gebühren der Niederschlagswasserbeseitigung stiegen von 0,21 € je m² versiegelter Fläche im Jahr 2018 auf 0,47 € je m², werden aber im Jahr 2019 auf 0,40 € je m² absinken. Die Schmutzwassergebühr stieg von 1,91 € / m³ für die Jahre 2018 und 2019 auf 2,40 € / m³. Bis dahin wurden die Gebühren für die Wasserversorgung seit dem 1. Januar 2010 und für die Abwasserbeseitigung seit dem 1. Januar 2012 nicht mehr erhöht. Dies bedeutet für den durchschnittlichen Haushalt in der Gemeinde Oberstenfeld (2,4 Personen, 72 cbm/Jahr sowie 200 m² versiegelter Flächen) folgende Änderungen bei den Frisch- und Schmutzwassergebühren:  

                                                   Gebühr alt                   Gebühr neu                      Differenz
Wassergrundgebühr                  15,48 € (netto)             46,80 € (netto)                  31,32 € (netto)
Wasserverbrauchsgebühr         160,56 € (netto)           170,64 € (netto)                10,08 € (netto)
Schmutzwassergebühr              137,52 €                      165,60 €                            28,08 €
Niederschlagswassergebühr     42,00 €                        94,00 €                              52,00 €

Diese Gebührenerhöhungen lassen sich insbesondere auf die Kostensituation in der Wasserversorgung und der Abwasserbeseitigung zurückführen. So ist prognostiziert, dass die Kosten in der Abwasserbeseitigung von 867 TEUR im Jahr 2010 auf 1.168 TEUR im Jahr 2019 und damit um 35 % ansteigen werden, während die Aufwendungen der Wasserversorgung von 819 TEUR im Jahr 2010 auf 994 TEUR im Jahr 2019 und damit um 21 % ansteigen dürften.

Ursächlich für diese Kostenerhöhungen sind neben den seit Jahren stetig zunehmenden Wasserbezugskosten auch die geplanten und erforderlichen Baumaßnahmen, wie beispielsweise die Sicherung der Wasserversorgung in Prevorst durch den Bau eines neuen Hochbehälters, die Befahrungen und Reparaturarbeiten in den Kanälen im Rahmen der Eigenkontrollverordnung und der größer werdende Aufwand zur Unterhaltung des alternden Rohr- und Kanalnetzes.