Der Weinbau verrät es schon von weitem, die Oberstenfelder Hanglagen sind wärmebegünstigt. Diese Gunst ist nicht nur den Reben und der damit verbundenen Weinkultur zuträglich, sondern auch einigen speziellen Lebensgemeinschaften. An den Hangschultern von Eichhalde, Scheiterburg, Forstberg und Gronauer Berg, dort wo das Kleinklima bereits als heiß zu bezeichnen ist, sind Halbtrockenrasen und wärmeliebende Staudensäume mit ihrer besonderen Tier- und Pflanzenwelt anzutreffen. Der Duft der Kräuter, das Zirpen der Grillen und die Rebkulturen erinnern an mediterrane Gefilde.
Halbtrockenrasen und wärmeliebende Staudensäume gehören zu den artenreichsten Lebensgemeinschaften Deutschlands. Die von ihnen eingenommenen Flächen sind im Landkreis Ludwigsburg und im Regierungsbezirk Stuttgart bereits stark zurückgegangen. In Oberstenfeld sind sie erfreulicherweise in den oben genannten Gemarkungsteilen noch vorhanden und oftmals eng miteinander verzahnt. Viele der dort vorkommenden Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht oder in ihrem Bestand gefährdet.
So vorteilhaft die Wärme ist, so problematisch kann sie im Sommer für die Pflanzenwelt sein. Gerade deshalb sind viele Arten dieser Lebensgemeinschaften mehr oder weniger gegen Hitze und Trockenheit resistent. Zusätzlich kommen sie gut mit den dort vorherrschenden flachgründigen, mageren oder schweren Böden zurecht. Durch diese Spezialisierung sind sie auf den beschriebenen Standorten sehr konkurrenzstark und den „normalen“ Arten überlegen. Auf weniger trockenen und besser mit Nährstoffen versorgten Standorten werden sie dagegen von den normalen Arten, auch Allerweltsarten genannt, verdrängt. Ihr Überleben ist dort nicht gewährleistet.
Aus diesen Gründen müssen Halbtrockenrasen und wärmeliebende Staudensäume sowie die entsprechenden Standorte geschützt, verbessert und gepflegt werden. Um eine Verbuschung und damit ein Verschwinden der Spezialisten zu verhindern, müssen die Flächen mindestens einmal jährlich gemäht werden.
Die Gemeinde Oberstenfeld engagiert sich seit vielen Jahren für den Erhalt dieser Lebensgemeinschaften. Im Gewann Eichhalde wird seit neun Jahren gemeinsam mit der Ortsgruppe des NABU ein Pflege- und Entwicklungskonzept mit entsprechenden Zielen und Maßnahmen realisiert.
Sollten Sie Fragen zu diesem Thema haben, wenden sie sich montags oder dienstags während der Sprechzeiten an das Bürgermeisteramt Oberstenfeld (Zimmer 81, Tel.: 261-36). Der Ökologe Herr Dr. Grunicke steht Ihnen für Auskünfte gerne zur Verfügung.
