Oberstenfeld, Gronau, Prevorst
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Oberstenfeld
Oberstenfeld (Bild links) ist eine moderne und aufgeschlossene Gemeinde mit einer reichen Geschichte und Tradition. Doch bis ins Jahr 1016 schlummerte der Landstrich als ein Oudalrich im obersten Feld, in Oberstenfeld, ein adliges Chorfrauenstift gründete, das seit dieser Zeit eng mit der Geschichte der Gemeinde Oberstenfeld verknüpft ist. Dieser Oudalrich hatte sich unter den Kaisern Heinrich II und Konrad II immerhin zum Kanzler hochgearbeitet. Das Stift zu Oberstenfeld wurde im Laufe der Jahrhunderte mit reichen Besitzungen ausgestattet, erhielt bald eine dreischiffige Kirche, heute die berühmte Krypta der dann um 1200 gebauten, imposanten romanischen Stiftskirche St. Johannes der Täufer.
Keiner weiß eigentlich so recht, wie dieser bedeutende Stifter Oudalrich auf den Flecken Oberstenfeld kam, um dort die stattliche Basilika zu bauen, denn zur damaligen Zeit muß man sich das heute so liebliche Tal der Bottwar eher als unwirtliche Sumpflandschaft vorstellen. Aber vielleicht hat Oudalrich und haben die Chorfrauen später auch bereits die überaus reizvolle landschaftliche Lage Oberstenfelds geschätzt. Eingebettet zwischen schattigen Wäldern, saftigen Wiesen und den prägenden Weinbergen schmiegt sich der liebenswürdige Flecken in die Ausläufer der Löwensteiner Berge.
Im Adligen Stift (Bild rechts)zu Oberstenfeld fanden die begüterten Töchter aus adligem Hause eine standesgemäße Bleibe. Hier lebten sie unter dem Gelübde des Gehorsams und der Keuschheit, mit benediktinischer Armut hatten die Stiftsdamen aber wenig am Hut. Gegessen wurde meist üppig, täglich gab es frisches Bier und der heute als Veranstaltungskeller ausgebaute Stiftskeller unterstreicht durch seine Größe deutlich, daß die Stiftsdamen es auch schätzten, daß an den exponierten Hängen des Bottwartales ein vorzüglicher Tropfen heranwächst. Die Stiftsdamen lebten in eigenen Wohnungen und behielten ihr Eigentum. Ihre Aufgabe in dieser Versorgungseinrichtung für unverheiratete Adelstöchter war es, für das Seelenheil ihrer Angehörigen und Stifter zu beten.
1540 wurde das Stift evangelisch, konnte aber seine Eigenständigkeit verteidigen, als es der damalige Landesherr Ulrich von Württemberg sich das Stift mit seinen reichen Besitzungen unter den Nagel reißen wollte - zur Sanierung der maroden Staatsfinanzen.
Im Jahre 1803 streifte dann die große Weltpolitik das Oberstenfelder Stift. Napoleon vermachte das begüterte Stift dem Hause Württemberg und sorgte gleichzeitig dafür, daß sein lebensfroher Bruder Jerome 1805 mit der Äbtissin des Oberstenfelder Stifts Katharina vermählt wurde. Katharina war keine geringere als die Tochter von König Friedrich von Württemberg. Für die beiden Jungvermählten gründete Napoleon eigens das Königreich Westfalen.
1920 wurde das Stift aufgelöst und übernahm seit dieser Zeit vielfältige soziale und pflegerische Aufgaben. Heute steht im einstigen Garten des Stifts ein Kleeblatt-Pflegeheim und im historischen Stiftsgebäude sind betreute Wohnungen für Senioren und Behinderte entstanden.
Die romanische Stiftskirche (Bild links) zählt zu den herausragensten Sehenswürdigkeiten weit und
breit.
Doch auch die 800 Jahre alte, über dem Tal der Bottwar thronende Burg Lichtenberg (Bild rechts) ist eine bemerkenswerte historische Sehenswürdigkeit. Sie wurde nie zerstört und ist damit eine der ältesten, vollständig erhaltenen staufischen Burganlagen nördlich der Alpen. Besonders der Kunstfreund wird an der Burgkapelle mit ihren Kostbarkeiten seine helle Freude haben. Freigelegte, sehr gut erhaltene Fresken als dem 13.Jahrhundert ziehen den Besucher ebenso in Bann, wie der grandiose Blick vom Bergfried ins Tal der Bottwar und weit darüber hinaus.

Aus längst vergangenen Tagen zeugt auch das auf einer Anhöhe gelegene Peterskirchle (Bild links), ein Kleinod romanischer Baukunst. Trotz der gotischen Veränderungen um 1400 läßt sich die frühere um das Jahr 1100 entstandene romanische Chorturmkirche gut erkennen. Das Peterskirchle ist damit eine der ältesten Sakralbauten Württembergs. Auch hier erzählen um 1300 entstandene Fresken vom Leben und Sterben Jesu.
Doch auch der schmucke Ortskern des malerischen Fleckens Oberstenfeld mit seiner Galluskirche, dem stattlichen Fachwerkrathaus und seinen herausgeputzten Fachwerkhäusern und seinen verwinkelten Gassen ist einen Besuch wert. Heute leben in Gemeinde Oberstenfeld mit ihren Teilorten Gronau und Prevorst rund 8000 Einwohner und in Oberstenfeld finden rund 2000 Menschen Arbeit, insbesondere in der Produktion des Holzwerkstoffes Werzalit und beim Bau moderner Schaltgetriebe für die Automobilindustrie, aber auch in vielen mittleren und kleineren Unternehmen, vom klassischen Handwerker bis zum Hightech-Unternehmen der Medizintechnik.
Doch wie sollte es auch anders sein: Oberstenfeld ist aus guter Tradition mit dem Weinbau besonders verbunden. Hier läßt es sich gut leben und arbeiten und vor allem an Wochenende zieht es viele Ausflügler in den reizvollen Flecken und die weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus bekannte Oberstenfelder Gastronomie ist längst schon kein Geheimtip mehr. Und für den, der es gerne etwas sportlicher mag, dem bietet das ganz neu aufgepeppte Mineralfreibad mit über 2500 m² Wasserfläche, seiner 100m Riesenrutsche, der spektakulären Steilrutsche, der Kinderrutsche, dem Riesentrampolin und bald einer extrabreiten Familienrutsche ein erfrischendes Freizeitvergnügen in prickelndem Mineralwasser für die ganze Familie. Übrigens, ohne Parkplatzprobleme, denn über 1000 Parkplätze stehen direkt vor dem Freibadeingang bereit.
Auch sonst bietet die Gemeinde Beachtliches. Das moderne Bürgerhaus (Bild links) und der Stiftskeller sind heute Podium für Veranstaltungen aller Art.Doch auch mit der Lichtenbergschule, der guten Kindergartenversorgung, den vielfältigen Sporteinrichtungen, einer tollen Bücherei und als Arzt- und Gesundheitszentrum mit einem regen geschäftlichen Leben bietet die Landgemeinde am Rande des Landkreises Ludwigsburg ihrer Bürgerschaft eine hervorragende Infrastruktur, auch in den Ortsteilen Gronau und Prevorst. Und dass das Zusammenleben in Oberstenfeld funktioniert, zeigt sich in einem regen Vereinsleben und in einem breiten bürgerschaftlichen Engagement. Oberstenfeld ist mehr als nur einen Besuch wert.
Als die ersten Besiedler einst das Tal der Bottwar heraufzogen wählten einige die weit am Oberlauf des munteren Baches gelegene "grüne Au", Gronau, zu ihrem Wohnplatz. Wann dies genau war, weiß keiner, denn es dauerte sicherlich noch eine lange Zeit bis die "grüne Au" erstmals in einer Schenkungsurkunde des Klosters Lorsch Erwähnung fand. Dragebodo und Godetanchus hießen die Herren über diesen Landstrich, die "Gruonowa" im Jahre 876 den Benediktinern an der Bergstraße vermachten. Dies ist gleichzeitig die erste urkundliche Erwähnung eines Teils der heutigen Gemeinde Oberstenfeld, der Gronau heute angehört. Im 13. Jahrhundert gelangte Gronau von den Grafen zu Calw an den Markgrafen von Baden und um 1350 am Württemberg. Das Dorf zählte zum Amt Beilstein, ab 1810 zum Oberamt Marbach und von 1938 bis zur freiwilligen Eingliederung in die Gemeinde Oberstenfeld am 1.1.1972 zum Landkreis Heilbronn.
Gronau
Gronau liegt eingebettet in einer überaus mannigfaltigen und reizvollen Landschaft der Löwensteiner Berge, umgeben von Burgen, weitläufigen Wäldern, saftigen Obstbaumwiesen und Weinbergen. In diesen schattigen Wäldern entspringt die Bottwar, die einst mitten durch das Dorf Gronau floss und so konnte manches Haus an der Gronauer Hauptstraße nur über einen wackeligen Steg erreicht werden. Doch 1935 beseitigte eine
gründliche Bachkorrektur die dauernde Hochwassergefahr, die die junge Bottwar alljährlich in das Dorf brachte. Das munter plätschernde Bächlein weißt auch heute so manchem Wanderer den Weg über die Untere und die
Obere Olmühle, oder über die steile Steig ins nahegelegene Prevorst und weiter zum Stocksberg oder zum Aussichtspunkt am Juxkopf mitten in den Löwensteiner Bergen. Doch auch die Burgen in der Nähe, der Langhans zu Beilstein, der Lichtenberg über Oberstenfeld, der Helfenberg oder der Wunnenstein laden zu erlebnisreichen Wanderungen ein. Bequeme Waldwege führen immer wieder zu grandiosen Ausblicken in die malerische Landschaft des Bottwar- und Schozachtales. Rathaus (Bild rechts).
In Gronau leben heute rund 1500 Einwohner. Auch in unserer schnelllebigen Zeit konnte Gronau viel von seinem beschaulichen dörflichen Charakter erhalten. Der schmucke Platz rund um das Rathaus von 1779 mit seinem
reizenden Dachreiter, die benachbarte Fachwerkkelter aus dem Jahre 1745, die Dorfwirtschaft und das kleine Brünnlein strahlt eine spürbare Heimeligkeit aus und der Blick vom Rathaus hoch zu der auf einer kleinen Anhöhe
gelegenen Cyriakuskirche macht die Dorfidylle vollständig.
Die Cyriakuskirche (Bild links) ist eine in ihrem Urbestand gotische Kirche aus dem 13./14. Jahrhundert. Aus dieser Zeit hat sich aber nur noch der alte Chorturm erhalten. Das Schiff des hübschen Kirchleins wurde später wesentlich verändert. Die Jahreszahl 1599 über dem rundbogigen Eingang auf der Nordseite des Gotteshauses gibt wohl Zeugnis vom bedeutendsten Umbau des Kirchenschiffes. Im 18. Jahrhundert wurde das Innere der Kirche umgebaut, eine Empore eingebaut und wahrscheinlich der Chor um eine Orgelempore ergänzt, die in der Neugotik wieder entfernt wurde. Die in den Stein des Neurenaissancegiebels des Nordeingangs eingemeißelte Jahreszahl 1903 ist heute noch stummer Zeuge dieser weiteren Bautätigkeit. Das malerisch gelegene Cyriakuskirchlein zu Gronau lädt zur stillen Einkehr ein. Und der, der sich von diesem schmucken Gotteshaus einladen lässt, wird bald erkennen, dass auch eine kleine Dorfkirche abseits der großen Straßen einen Besuch wert ist.
Auch der Spaziergang durch den dörflichen Flecken Gronau lässt manches Kleinod entdecken und unter den giebelständigen, meist verputzten Fachwerkhäusern an der Hauptstraße fallen besonders zwei sehenswerte Häuser auf: Das Gasthaus zur Krone, ein stattlicher Fachwerkbau (Bild rechts) aus dem Jahre 1801 und das Gehöft des ehemaligen Stabsschultheißen mit giebelständigem Fachwerkwohnhaus (Nr. 53) und dem zurückgesetzten traufständigen Scheuer- und Stallgebäude aus dem 18. Jahrhundert.

Gronau ist heute eine beliebte Wohngemeinde, in der die Dorfgemeinschaft noch funktioniert und zu spüren ist. Die zeigt sich vor allem im regen dörflichen Leben der Gronauer. Gerade die alljährlichen Theaterauführungen der Schmalzhafenbühne in der zur rustikalen Dorfbühne hergerichteten Kelter, die Feste auf dem Rathausplatz oder rund um die 2002 umgebaute Mehrzweckhalle (Bild links)sind längst schon kein Geheimtip mehr. Doch auch Infrastruktur Gronaus braucht sich nicht zu verstecken. Kindergarten, Grundschule, Kinderspielplatz und Sporteinrichtungen machen das Wohnen in einem der anspruchsvollen Neubaugebiete von Gronau rundum angenehm.
Prevorst
Prevorst (Bild links) ist etwas Besonderes. Stolz thront das 400-Seelendorf auf dem Kamm eines in früheren Zeiten freigerodeten Bergrückens mitten in den Löwensteiner Bergen. Dieser so charakteristischen Lage hat der Weiler auch seinen Namen zu verdanken. Prevorst gehörte einst zur Herrschaft Lichtenberg und ist als "Brechfirst" in einer Verkaufsurkunde von 1357 genannt, als die Lichtenberger das Dörflein an das Haus Württemberg verkauften, später gehörte Prevorst dann zur ehemals selbständigen Gemeinde Gronau.
Doch Prevorst hat noch weitere Besonderheiten aufzuweisen. Wer nach Prevorst will, muss immer erst durch einen fremden Landkreis fahren. Prevorst ist eine Exklave des Landkreises Ludwigsburg und seit 1972 Teilort der Gemeinde Oberstenfeld. Keiner im Landkreis Ludwigsburg ist auch dem Himmel näher als die Prevorster. Mit 482 m NN ist Prevorst der höchstgelegene Wohnplatz, der "Höhepunkt", des Landkreises.
Prevorst ist auch in die Weltliteratur eingegangen. Justinus Kerner hat mit seiner detaillierten Krankheitsgeschichte der "Seherin von Prevorst" dem kleinen Weiler in den Bergen zu bleibender Erinnerung verholfen. Das Geburtshaus (Bild rechts) der 1801 geborenen Försterstochter Friederike Hauffe, das "Gasthaus zum Ochsen",ist heute beliebte Einkehr für Wanderer und Spaziergänger.

Gleich neben dem Geburtshaus der "Seherin von Prevorst" steht am höchsten Punkt des Straßendorfes die 1901 eingeweihte neugotische evangelische Pfarrkirche (Bild links).
Damals wie heute weht der Wind in Prevorst anders als unten im Tal und den Prevorstern wird nichts geschenkt. Auf den steilen Wiesen, den steinigen Äckern und vor allem im Wald suchten die Prevorster in früheren Zeiten ihr kärgliches Einkommen. So war die Köhlerei und das Rindenschälen für die Gerbstoffgewinnung in vergangenen Tagen weit verbreitet.
Doch auch heute verstehen es die Prevorster mit geradezu einmaligen Aktivitäten sich zu präsentieren. So ist der Christbaummarkt vor Weihnachten über die ganze Region Stuttgart und Heilbronn hinaus schon lange kein Geheimtip mehr. Nirgends in der Region suchen an einem Fleck so viele frisch aus den umliegenden Wäldern geschlagene Christbäume ihre Besitzer. Auch allerlei Weihnachtliches wird angeboten und der Duft von Gebäck und Glühwein zieht sich durch diesen bäuerlichen Christbaummarkt. Ein echtes Weihnachtsmärchen, das jedes Jahr viele Besucher anlockt!
Doch auch das alljährliche Seifenkutschenrennen ist etwas Einmaliges. In ihren selbstgebauten Seifenkutschen stürzen sich die jugendlichen Piloten in den spektakulären Rennkurs mit seinen Schikanen in der Hohlgasse. Vor allem die tollkühnen Seitenwagengefährte sind besondere Publikumslieblinge. Für Jung und Alt wird tolle Rennatmosphäre geboten!
Und weil auch ein kleiner Weiler sein eigenständiges dörfliches Leben hat, kann Prevorst auch auf eine gute Infrastruktur verweisen. Das 1998 eingeweihte Dorfhaus (Bild rechts) zeigt deutlich, dass auch die Muttergemeinde Oberstenfeld die Eigenständigkeit des Teilortes schätzt. Mit Kindergarten, Friedhof, Feuerwehr, Bolz- und Spielplatz, und vielfältigen Naherholungseinrichtungen, wie Wanderparkplätzen und Waldspielplätzen hat Prevorst weit Überdurchschnittliches für seine Größe zu bieten.
Mit seiner überaus reizvollen landschaftlichen Lage ist Prevorst ein gern aufgesuchtes, liebenswertes Ausflugsziel und Ausgangspunkt herrlicher Wanderungen in die Löwensteiner Berge. Gerade in heutiger Zeit wird es besonders geschätzt, dass dort noch viel Ursprüngliches zu finden und zu bewundern ist.
